Nähen- kurze Fragen und Antworten

Für Fragen und Tipps zu Näh-Themen: Schnitte, Stoffe, Nähmaschinen, Arbeitsweisen, etc.

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Schlafschaf
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Re: Nähen- kurze Fragen und Antworten

Beitragvon Schlafschaf » 4. Feb 2021, 21:12

Nria hat geschrieben:
4. Feb 2021, 21:04
Vielleicht glauben viele Leute, man könne nur mit einer Overlock versäubern? :gruebel:

Ich nähe einfach selten ungefütterte Webstoffkleidung. Jersey/Sweat und gefütterte Webstoffe versäubere ich nicht.
Also bevor ich eine Overlock hatte, habe ich mit Zickzackstich versäubert. An dem Tag, an dem ich dann gefühlte 5 Stunden lang die Schnitteile für meinen Sitzsack versäubert habe, hatte mein Mann dann auch ein Einsehen (er war vorher der Meinung, dass wir aus Platzgründen keine Overlock haben können), seitdem bin ich eine sehr zufriedene Besitzerin einer Overlockmaschine.

Und dass man mit Zickzackstich versäubern kann, ist ja eigentlich kein großes Geheimnis.

Sachen, die nicht ausfransen (Jersey/ Sweat) lasse ich auch so. Aber ich nähe halt auch gerne Taschen (aus Baumwolle meist) und auch bei Kleidern z.B. (feinerer Stoff/ nicht-strechiges), möchte man ja nicht durch die Gegend fransen.
für Anfänger: ich zeige euch, wie man Hosenbeine kürzt.

Das Schlimmste, was einem im Leben passieren kann, ist, nicht zu erkennen, wenn es einem gut geht. Die Einstellung eines Menschen hat so viel damit zu tun, ob er glücklich ist- viel mehr eigentlich als die äußeren Umstände.

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Re: Nähen- kurze Fragen und Antworten

Beitragvon deepdarksin » 4. Feb 2021, 22:50

Das ist irgendwie lustig. Ich versäubere Jersey immer (aber nähe den auch mit der Overlock). Wenn es Stellen sind die nicht mit der Ovi gehen, dann versäubere ich damit vorm Zusamnennähen mit der Nähnaschine die Kanten.
Webstoffe versäubere ich eher nicht, da das meiste gefüttert ist oder ich die Kanten in den Nähten einfasse (hab gerade den Namen vergessen, französische Naht? :gruebel: ).
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Re: Nähen- kurze Fragen und Antworten

Beitragvon Constanze » 4. Feb 2021, 23:02

Also ich oute mich mal als jemand, die wirklich häufiger nicht versäubert und ich nähe meist mit Webstoffen ohne französische Nähte oder Hong Kong Finish (also eingefassten NZ).

Bei mir ist es teils Bequemlichkeit, viele meiner Maschinen haben zudem auch keinen Zickzack-Stich. Zudem reicht mir meistens, wenn ich die Nahtzugabe mit der Zickzackschere schneide bzw. auch nach zweimal waschen haben sich bei den Stoffen die Fasern so ineinander verknotet, dass da nichts mehr weiter aufribbelt und ich muss dann nur die länger gewordenen Fäden abschneiden.

Wenn es tatsächlich stark beanspruchte Nähte sind, leicht fransender Stoff, ich für andere nähe oder sehr wenig Nahtzugabe habe, dann versäubere ich aber auch. Sonst ist mir das herzlich egal, ich nähe für mich, das sieht sowieso kein Mensch bzw. wenn, dann ich und dann ärgere ich mich über mich selbst und gelobe Besserung (geht jetzt schon 15 Jahre so und ist noch nicht eingetreten)

Ich kann mir vorstellen, dass es häufig auch der klareren Sichtbarkeit dient bei Tutorials und Videos. Und Burda erklärt ja auch nicht, wie man einen Reissverschluss einnäht, da steht nur "nähen Sie den Reissverschluss ein". Also sie gehen davon aus, dass man grundlegende Sachen kann oder weiss, wie z.B., dass man gewisse Stoffe versäubern muss.
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Re: Nähen- kurze Fragen und Antworten

Beitragvon MissWunderlich » 5. Feb 2021, 00:11

Ich versäubere quasi auch nie. Bei mir hat noch alles gehalten (auch bei Webstoffen), wie Constanze schon sagt, das meiste verfilzt sich beim Waschen genug.

Mein Grund dafür: Ich bin so leicht frustriert und schaffe es nur schwer, angefangene Projekte später weiterzumachen. Mit dem Nähen stehe ich schon seit einiger Zeit auf Kriegsfuß, ich habe nach Jahren des stetigen Besserwerdens ein Plateau erreicht, von dem ich es nicht wegschaffe (dafür bräuchte ich bessere Ausstattung oder professionelle Hilfe, und für beides fehlen mir diverse Ressourcen). Das ist frustrierend genug, und da möchte ich mir nicht die (eh schon selten gewordene) Motivation durch auferlegte Perfektion und ewiglange Kleinstarbeit verderben.
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Re: Nähen- kurze Fragen und Antworten

Beitragvon Levanna » 5. Feb 2021, 08:30

Mir geht es da ähnlich wie Lenmera - auf Versäubern zu verzichten auf Kosten der Qualität geht für mich auch definitiv nicht.

Generell versäubere ich aber tatsächlich auch nicht alles. Sehr fransige Webstoffe immer, beispielsweise Samt, und alle "sichtbaren" Nähte bei anderen Webstoffen auch, aber beispielweise bei gefütterten Jacken oder Corsagen sind meine Nähte innen auch nicht nochmal versäubert - das kenne ich auch so aus der Ausbildung.

Bei Fleece und Jersey-Stoffen habe ich anfangs noch versäubert, tue es aber seit einer Weile auch nicht mehr, nachdem ich bemerkt habe, dass unversäuberte Nähe da auch nach häufigem Waschen keinerlei Einbußen haben und sich bei Versäuberungen dagegen die Nähte sehr unschön durchdrücken.
Hier trägt das Nichtversäubern quasi zur Qualität bei. :)

Also: Versäubern da wo es sinnvoll und notwendig ist: auf jeden Fall; da wo es keinen Mehrwert (wenn nicht sogar Schaden) bringt, spare ich mir auch den Aufwand.

Liebe Grüße, Levanna

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Re: Nähen- kurze Fragen und Antworten

Beitragvon Miss Porter » 5. Feb 2021, 09:13

Ich hab keine Ahnung, wann bei Burda versäubert wird, weil ich die Anleitungen so gut wie nie lese :angel:

Versäubern ist ja nicht nur, die dreifädige Overlocknaht zu benutzen. Neben dem schon genannten Zickzackstich haben einige Maschinen auch "Overlock-Stiche", Kanten mit der Zackenschere zu schneiden ist ebenfalls eine Variante, dann gibt es noch verschiedene Nähte, die nur den einfachen Geradstich benötigen wie beispielsweise Kappnähte, Rechts-Links-Nähte oder das Einfassen mit Schrägband.

Webware braucht Versäuberung mehr als Maschenware. Manche Webstoffe neigen mehr zum Fransen als andere. Verschiedene Kleidungsstücke haben unterschiedliche Ansprüche.
An dem Mantel, den ich neulich gezeigt habe, ist beispielsweise die einzige versäuberte Naht die in der Kapuze, weil die nicht gefüttert ist. Der Stoff neigt nicht zum Fransen, warum hätte ich also die Zeit und das Garn investieren sollen?
Bei der letzten Hose, die ich genäht habe, habe ich dagegen alle Nähte versäubert. Die Hose ist wesentlich mehr Belastung ausgesetzt und wird definitiv häufiger gewaschen, da möchte ich vermeiden, dass sie sich irgendwann auflöst.
T-Shirts sind, wenn ich sie mit der Overlock nähe, automatisch auch versäubert. Das ist zwar in anbetracht des Stoffes nicht unbedingt nötig, ich finde aber, dass es schöner und sauberer aussieht.

Ich persönlich bin grundsätzlich ein Versäuberer und entscheide manchmal, das aus verschiedenen Gründen nicht zu machen.


Mich wundert beim Thema Versäubern oft, wenn Leute jede einzelne Kante jedes einzelnen Schnittteils versäubern, bevor sie anfangen zu nähen. Manche Kanten werden später sowieso zwischen zwei Lagen gefasst oder als Saum doppelt eingeschlagen oder man könnte sie nach dem Nähen gemeinsam versäubern, was Zeit und Faden spart. (Super fransige Stoffe sind davon natürlich ausgenommen)
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Re: Nähen- kurze Fragen und Antworten

Beitragvon Florence » 5. Feb 2021, 10:02

Miss Porter hat geschrieben:
5. Feb 2021, 09:13

Mich wundert beim Thema Versäubern oft, wenn Leute jede einzelne Kante jedes einzelnen Schnittteils versäubern, bevor sie anfangen zu nähen. Manche Kanten werden später sowieso zwischen zwei Lagen gefasst oder als Saum doppelt eingeschlagen oder man könnte sie nach dem Nähen gemeinsam versäubern, was Zeit und Faden spart. (Super fransige Stoffe sind davon natürlich ausgenommen)
Das späte Versäubern nach dem Zusammennähen finde ich wiederum echt verwirrend. Man muss es genau zum richtigen Zeitpunkt machen, wenn man schon einen Schritt weiter ist kann es sein dass man an manche Ecken nicht mehr rankommt und dann ist es so ein Geknuddel unter der Nähmaschine und man muss ein paar cm offenlassen weil man nicht überall bis ans Ende rankommt.

Bei sowas wie Prinzessnähten haben die NZ ja auch noch unterschiedliche Längen, das mach ich lieber getrennt.
Also bei Webstoffen zickzacke ich die Schnittteile meistens einmal rundrum vor dem Zusammennähen (außer am Saum, klar).

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Re: Nähen- kurze Fragen und Antworten

Beitragvon Cylia » 5. Feb 2021, 10:57

Spannendes Thema. Momentan vernähe ich quasi nur Jersey, der wird durch die Ovi gejagt und ist automatisch versäubert. Bei Webware versäuber ich auch nur, wenn es ungefütterte Stellen sind. Häufig läuft es dann aber auch darauf hinaus, dass ich die Naht einmal mit Geradstich nähe und dann als nächsten Schritt einmal mit der Ovi drüber. Einzeln versäubert wird nur, wenn es wichtig ist, dass die NZ auseinander gebügelt werden. (RV bei Kleidern z.B.). Bei Larpsachen mache ich auch gerne französische Nähte oder Kappnähte, das ist dann hübscher. Auch bei Blusen mach ich lieber Kappnähte, dann klappt die NZ nicht blöd um und drückt sich durch.

Doch, ein Fall fällt mir ein, wo ich vor dem Nähen rundherum versäubern würde und zwar, wenn ich mehrere Stofflagen gleichzeitig verarbeite, z.B. ein mit Spitze überzogenes Korsett oder solche Späßchen, wo man sonst wahnsinnig wird.
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Re: Nähen- kurze Fragen und Antworten

Beitragvon Schlafschaf » 5. Feb 2021, 13:19

Florence hat geschrieben:
5. Feb 2021, 10:02
Miss Porter hat geschrieben:
5. Feb 2021, 09:13

Mich wundert beim Thema Versäubern oft, wenn Leute jede einzelne Kante jedes einzelnen Schnittteils versäubern, bevor sie anfangen zu nähen. Manche Kanten werden später sowieso zwischen zwei Lagen gefasst oder als Saum doppelt eingeschlagen oder man könnte sie nach dem Nähen gemeinsam versäubern, was Zeit und Faden spart. (Super fransige Stoffe sind davon natürlich ausgenommen)
Das späte Versäubern nach dem Zusammennähen finde ich wiederum echt verwirrend. Man muss es genau zum richtigen Zeitpunkt machen, wenn man schon einen Schritt weiter ist kann es sein dass man an manche Ecken nicht mehr rankommt und dann ist es so ein Geknuddel unter der Nähmaschine und man muss ein paar cm offenlassen weil man nicht überall bis ans Ende rankommt.

Bei sowas wie Prinzessnähten haben die NZ ja auch noch unterschiedliche Längen, das mach ich lieber getrennt.
Also bei Webstoffen zickzacke ich die Schnittteile meistens einmal rundrum vor dem Zusammennähen (außer am Saum, klar).
Da kann ich mich nur anschließen. Ich versäubere immer vorher. Dann muss ich danach nicht nachdenken, sondern kann mich aufs Nähen konzentrieren und bin flexibel. Gerade bei Hosen finde ich das sonst ziemlich fummelig.
für Anfänger: ich zeige euch, wie man Hosenbeine kürzt.

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Re: Nähen- kurze Fragen und Antworten

Beitragvon chaotic » 5. Feb 2021, 13:43

Ich bin auf Miss Porters Seite. Mich schreckt es eher ab, wenn ich vor der Verarbeitung einmal mit Zickzack um alle Teile rumgehen "muss". Ich nutze meine Zeit lieber zum direkt nähen als zum Versäubern von Kanten die vielleicht nicht versäubert werden müssen. Und bei friemeligen Stellen näh ich halt von Hand, das hält erfahrungsgemäß genauso gut wie eine Maschinennaht.

Aber ich vermute hier treffen zwei unterschiedliche "Weltanschauungen" aufeinander und eigentlich ist beides richtig - man muss sich nur für eine Methode entscheiden und die dann im gesamten Projekt durchziehen.
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Re: Nähen- kurze Fragen und Antworten

Beitragvon Miss Porter » 5. Feb 2021, 14:37

Das mag auch daran liegen, dass das mein Beruf ist und ich da rationell arbeiten sollte. Ich versuche, mir das (für mich) sinnvoll einzuteilen. Ich denke, dass ich inzwischen eine recht gute Vorstellung davon habe, was ich in welcher Reihenfolge tun muss, ohne dass ich viel darüber nachdenken muss, sodass ich nur extrem selten in der Situation bin, dass ich an irgendeine Stelle nicht mehr dran komme.

Beispielsweise ein verschlussloses Kleid mit Taillennaht, Teilungsnähten am Oberteil, vier Bahnen im Rockteil jeweils aus oberem und unterem Teil (das habe ich bei meiner alten Arbeitsstelle häufig genäht):
Da nähe ich im ersten Schritt alle Teile des Oberteils zusammen: vordere Teilungsnähte, hintere Teilungsnähte, Seitennähte, Schulternähte.
Am Rock nähe ich am oberen Teil und am unteren Teil separat die Längsnähte.
Dann gehe ich alle diese Nähte versäubern und auch den Saum und bügle alle diese Nähte.
Als nächstes verarbeite ich Hals- und Armausschnitte mit Schrägband.
Anschließend nähe ich die beiden Rockteile zusammen und das Oberteil ans Rockteil und mache den Wäschesaum.
Dann versäubere ich diese beiden letzten Nähte und bügle sie.

Dadurch, dass bis auf den Saum nichts einlagig versäubert wird (alle Nähte werden zusammen zu einer Seite gebügelt), muss ich nur die Hälfte der Strecke versäubern, als wenn ich alles einzeln machen würde.


Natürlich lässt sich das nicht auf jedes einzelne Nähprojekt anwenden. Je nachdem, wie kleinteilig es ist, kann das unpraktisch sein oder wenn man nur Platz für die eine oder die andere Maschine hat, ist es natürlich auch nicht allzu sinnvoll, die ständig austauschen zu müssen.
Für mich ist es die bevorzugte Variante, das heißt aber natürlich nicht, dass man nicht mit anderen Varianten genauso zum Ziel kommt.
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Re: Nähen- kurze Fragen und Antworten

Beitragvon Buchstabensalat » 5. Feb 2021, 19:15

Gerade bei dem beschriebenden Kleid würde es mich (aufgrund meiner Ausbildung) stören, dass die Teilungsnähte dann eben nicht mehr auseinandergebügelt werden können. Mir hat man eingetrichtert, zusammenversäuberte Nähte dienen der Rationalisierung, sind aber in der gehobenen Handwerkskunst pfuipfui. (Das war die Devise bei uns, ist aber sehr subjektiv und wie alle Aussagen meiner Meisterin mit einer gewissen Vorsicht zu genießen.^^) Klar kommt es immer drauf an, welcher Stoff, welcher Schnitt, etc pp, aber wenn ich bei Webstoffen Nähte habe, die versäubert werden sollten, dann mach ich das grundsätzlich einzeln. Hab ich so gelernt und ist oft auch änderungsfreundlicher, wenn man irgendwann nochmal ran will.
Jersey ist was anderes, den nähe ich direkt mit der Overlock, das ist dann eh alles ein Arbeitsgang (und würde meine Meisterin in eine Ohnmacht treiben, wenn sie es wüsste :angel: aber Jersey war für sie eh Schlampenstoff.)
Miss Porter hat geschrieben:
5. Feb 2021, 14:37
Ich denke, dass ich inzwischen eine recht gute Vorstellung davon habe, was ich in welcher Reihenfolge tun muss, ohne dass ich viel darüber nachdenken muss, sodass ich nur extrem selten in der Situation bin, dass ich an irgendeine Stelle nicht mehr dran komme.
Da schließ ich mich an, ich versäubere auch nie einfach alle Teile einmal rundherum. Ich weiß eigentlich recht genau, bei welchen Kanten es wann am sinnvollsten ist und versäubere dementsprechend nur da, wo auch nötig. Was ich jedoch sehr gezielt vermeide, ist ständig nochmal kurz für eine Naht an die Overlock zu müssen. Lieber ein dicker Block, bzw zwei, wenn es Kanten gibt, die gut zusammenversäubert werden können (oder Taschenbeutel nach dem Paspeltaschen nähen und ähnlicher Spaß) und dazwischen in Ruhe nähen. Häufige Arbeitsplatzwechsel kosten Zeit (und mich auch Nerven).
Aber ich habe natürlich auch sehr hohen, teils sicher überzogenen Anspruch an Qualität, Langlebigkeit und Innenschön, da prägt die Ausbildung durchaus. :angel:
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Re: Nähen- kurze Fragen und Antworten

Beitragvon Schlafschaf » 5. Feb 2021, 20:28

@Miss Porter: Da nähen mein Hobby ist, habe ich den Vorteil, dass ich nicht wirtschaftlich arbeiten muss. Ich kann verstehen, dass man als Schneiderin Garn, dass man nicht verwenden muss, auch nicht verwendet, da man ja seinen Lebensunterhalt bestreiten möchte damit. Und in dem Fall ist man natürlich auch deutlich routinierter als so jemand wie ich, so dass man nicht so viel nachdenken muss, wann man jetzt was versäubert.

Ich halte das schon auch für einen relevanten Punkt.
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Re: Nähen- kurze Fragen und Antworten

Beitragvon Lenmera » 5. Feb 2021, 21:03

Buchstabensalat hat geschrieben:
5. Feb 2021, 19:15
Gerade bei dem beschriebenden Kleid würde es mich (aufgrund meiner Ausbildung) stören, dass die Teilungsnähte dann eben nicht mehr auseinandergebügelt werden können. Mir hat man eingetrichtert, zusammenversäuberte Nähte dienen der Rationalisierung, sind aber in der gehobenen Handwerkskunst pfuipfui. (Das war die Devise bei uns, ist aber sehr subjektiv und wie alle Aussagen meiner Meisterin mit einer gewissen Vorsicht zu genießen.^^) Klar kommt es immer drauf an, welcher Stoff, welcher Schnitt, etc pp, aber wenn ich bei Webstoffen Nähte habe, die versäubert werden sollten, dann mach ich das grundsätzlich einzeln. Hab ich so gelernt und ist oft auch änderungsfreundlicher, wenn man irgendwann nochmal ran will.
Da bin ich ganz bei Buchstabensalat.
Wenn ich ein Kleid mit Längsteilung nähe, dann werden die Längsnähte im Oberteil auf jeden Fall auseinandergebügelt.
1. Hätte ich Angst, dass meine Praxislehrerin plötzlich mit ihrem Lieblingsspruch hinter mir steht ("das geht vielleicht schneller, aber wir nähen hier nicht für Kick" bitte nicht böse auffassen, aber das war einfach ihr Standardspruch wenn wir vorgeschlagen haben der Effektivität wegen Schritte zusammenzufassen etc und war von ihr ganz bewusst sehr sehr stark überzeichnet)
2. Je nach Stoff drücken sich die Nzg unschön durch
3. Je nach Kurvenverlauf klappt das sowieso nicht richtig, außer vielleicht bei gut dressierbaren Stoffen, aber dann: siehe 2.
per aspera ad astra

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Re: Nähen- kurze Fragen und Antworten

Beitragvon Miss Porter » 5. Feb 2021, 21:50

Ich scheine euch unbeabsichtigt auf die Füße getreten zu sein, das tut mir leid. Jedenfalls habe ich jetzt irgendwie das Gefühl, mich für meine aus meinem Arbeitsalltag entstandene Arbeitsweise rechtfertigen zu müssen, obwohl ich (dachte ich jedenfalls) mehrfach betont hatte, dass niemand das genauso machen muss, es nicht die einzig wahre Methode ist und jede Person, jedes Projekt, jeder individuelle Umstand Auswirkungen darauf hat, wie Sachen gemacht werden :shrug:

Ich habe in der Ausbildung meistens verschiedene Varianten gelernt und der einzige Spruch, der als typisch hängen geblieben ist, war: "Nehmen Sie nie Stecknadeln in den Mund, das ist total gefährlich!" (nur echt mit Stecknadeln im Mund) ;)
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