#FrauenLesen! -- Ein Stick- und Lese-WIP: Power (Verena Güntner)

Zur Dokumentation von laufenden Projekten. Zeigt her in Wort und Bild, was ihr gerade näht oder bastelt.

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aprilnärrin
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Re: #FrauenLesen! -- Ein Stick- und Lese-WIP: What Not. A Prophetic Comedy (Rose Macaulay)

Beitrag von aprilnärrin »

Statusupdate Webseite:
Ich bin einen Text schreiben und 3 Texte einsprechen davon entfernt, dass das Ding mit 5 Textet online gehen kann. Damit ich das nicht vertüddel, nutze ich mal den Druck der Ankündigung und vermelde, dass ich die Seite am 01.06. online bringen möchte. :D

Statusupdate Sticken und Lesen:
Fatou Diome ist gelesen und gestickt, hier möchte ich nächste Woche den Text schreiben. (:
What Not von Rose Macaulay lese ich noch immer. Es ist toll, aber auch für mich anstrengend, daher so langsam.
Heute habe ich mit einem neuen Buch begonnen: Power von Verena Güntner. Das lese ich zusammen mit Freundinnen in unserem Lesekreis "DistantReading" und wird so ca 5 Wochen beanspruchen, bis es durch ist (50 Seiten/Woche lesen wir). Da werde ich bestimmt zwischendurch mal von berichten.
Grüße von der aprilnärrin

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#FrauenLesen! -- Ein Stick- und Lese-WIP

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Mondmotte
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Re: #FrauenLesen! -- Ein Stick- und Lese-WIP: What Not. A Prophetic Comedy (Rose Macaulay)

Beitrag von Mondmotte »

Kaum ist frau mal ein paar Monate nicht hier... :lol:
Was für ein großartiges Projekt! Ich ziehe tief meinen Hut, und bedanke mich für so viel Inspiration! Hier bleibe ich gern und freue mich auf das Blog. :)
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Re: #FrauenLesen! -- Ein Stick- und Lese-WIP: What Not. A Prophetic Comedy (Rose Macaulay)

Beitrag von aprilnärrin »

Willkommen im WIP, Mondmotte (:


Ich bin gerade aus dem Bett gepurzelt und habe direkt Bücher im Laden bestellt. Gestern Abend habe ich einen Podcast (1) gehört, der mir "leider, leider" eine Autorin präsentiert hat, die meiner Meinung nach auf dieser Leseliste nicht fehlen darf. (Ich sehe schon, der Platz auf dem Beutel wird imaginär schon ganz schön knapp.) Die Rede ist von Octavia E. Butler. Aufgrund der schwierigen Verfügbarkeit von Science-Fiction einer weiblichen Autorin, die überwiegend in den 70ern und 80ern entstanden ist (2), ist die Auswahl recht begrenz. Auf deutsch ist aktuell nur Kindred lieferbar, das aber immerhin ein Roman, der einzeln steht und nicht undurchsichtigerweise in einem komplizierten Zykluskonstrukt verbunden ist. Ausserdem habe ich mir auf englisch einen Kurzgeschichtenband bestellt, der hat allerdings eine üppige Lieferzeit von einem Monat: Bloodchild. Die anderen Originale haben eine ähnliche Lieferzeit und tatsächlich sind die meisten englischen Bücher in diesem Fall recht teuer.
Kurzer Gedankensprung: Im Studium hatte ich in einem Semester ein Seminar über DDR-Literatur. Das Thema, das ich mir für die Hausarbeit rausgepickt habe, war Zensur. Mit dem Wissen, was von damals hängengeblieben ist, kann ich nur sagen, dass die beschriebene Situation der verfügbaren Bücher eine Form von Zensur darstellen können, die in dieser Art eben leider oft Frauen (oder andere Autor*innen marginalisierter Gruppen) trifft. Es ist dabei eine besonders perfide Art der Zensur, indem sich die Akteure darauf berufen können, dass die Texte doch verfügbar seien. Aber bereits in der DDR hat man gewusst, dass man oft nicht komplett verbieten darf, wenn man etwas kleinmachen möchte, sondern es erlaubt, aber eben nur in bestimmten Rahmen. Das Stichwort ist hier zum Beispiel: Zensur am entlegenen Ort. Texte, die der Staat nicht verbreitet wissen wollte, waren darauf angewiesen in Kleinstverlagen gedruckt zu werden, mit einer sehr geringen Auflage. Ich finde es könnte sich lohnen diesen Gedanken zu entwickeln. Natürlich haben wir hier nicht die gleichen staatlich organisierten Strukturen vorliegen, die in der DDR etabliert worden sind und deswegen kann man vielleicht nicht von einer so bewussten und durchdachten Zensur reden, wenn es um die Art und Weise geht, wie Autorinnen publiziert werden. Dennoch sind es gesellschaftliche Strukturen, die aus Diskrimminierung heraus so gewachsen sind und es ist wichtig diese Pfade zu erkennen, damit man sie auflösen kann.

Gut... ich schweife etwas ab. Ich werde jetzt erstmal zu Ende wach und frühstücke :)

________________
(1) Und zwar spex Folge 10: Covid-19: Alles wieder "normal"?
(2) Es gibt das meiste ganz offensichtlich als E-Book. Aber ich fürchte einfach, dass E-Books und ich einfach keine Freunde werden. Mein Körper sehnt sich nach einer physischen Leseerfahrung, dass muss man an dieser Stelle einfach sagen. Ich kann mir Lesen nicht ohne die haptische Erfahrung vorstellen, ich brauche aber vor allem immer einen Anker im Text, der mir gut vermittelt, wo ich mich befinde. Ein Text, den ich nur auf einem Bildschirm sehe ist körperlos. Und körperlose Texte zerrinnen mir oft zwischen den Hirnzellen.
Grüße von der aprilnärrin

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Re: #FrauenLesen! -- Ein Stick- und Lese-WIP: What Not. A Prophetic Comedy (Rose Macaulay)

Beitrag von MinaH »

Ich bin total gespannt, was du zu Octavia E. Butler schreibst, von ihr wollte ich schon immer mal was lesen, war mir aber unsicher, wo ich anfangen soll. Meine Lieblings-Science-Fiction-Autorin ist ja Ursula K. Le Guin, v.a. ihr Buch The Dispossessed, aber ich wuerde auch gerne mehr andere Autorinnen aus dem Bereich lesen.

Und was du zu "koerperlosen Texten" schreibst, kann ich so gut verstehen, deshalb lese ich auch immer noch bevorzugt Papierbuecher, alles andere funktioniert einfach nicht gleich gut fuer mich.
~You said we didn't bleed enough
are we bleeding enough for you now? ~

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Re: #FrauenLesen! -- Ein Stick- und Lese-WIP: What Not. A Prophetic Comedy (Rose Macaulay)

Beitrag von Die Rote IRis »

Von Octavia E. Butler habe ich auch schon viel gehört, aber noch nichts gelesen. Soll aber gut sein.
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Im Übrigen bin ich der Meinung dass wir in Zukunft statt von 'Klimawandel' von 'Klimakrise' sprechen müssen.

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Re: #FrauenLesen! -- Ein Stick- und Lese-WIP: What Not. A Prophetic Comedy (Rose Macaulay)

Beitrag von aprilnärrin »

Ich glaube ich habe vor kurzer Zeit etwas versprochen und mit Hilfe des Gefährten konnte ich es auch einhalten. Am 01.06.2020 ist meine Homepage online gegangen. Allerdings komme ich erst jetzt dazu das zu schreiben, weil gestern/heute doch noch einige Probleme gelöst werden mussten. Alles konnte nicht final gefixt werden, aber der Gefährte hat kreative Workarounds gefunden, die die Seite erstmal funktional gemacht haben.

Ja, dann sage ich einfach mal hereinspaziert: www.naerrin.de

Habt Spaß, abonniert, wenn ihr mögt den RSS-Feed – und falls so etwas noch jemand außer mir und ein, zwei Personen, die ich kenne, nutzt... und ja, konstruktives Feedback gerne an mich, gerne per PN.


In den nächsten Tagen dürften die MP3s nochmal jeweils ein Update erfahren. Der Mensch, der mir einen Musikschnippsel baut ist leider nicht rechtzeitig fertig geworden, weil ich zu spontan mich gemeldet habe und der erste, den er dann aus dem Ärmel geschüttelt hatte, noch nicht ganz so gepasst hat. Aber das wird dann einfach so nebenbei reingeschlichen werden und vermutlich beim nächsten Artikel, der für den 05.06. geplant ist, dann dabei sein. (Mitten im überarbeiten habe ich heute schon neue Proben bekommen, ich konnte aber noch nicht reinhören.)

Ich gehe mich jetzt unter einem Stein verkriechen und warte ab, was passiert. :mrgreen:

Achja, vorher noch einen lieben Dank vor allem an Ravna, MarziPanik und Violana, die zuletzt mein Genöhle und dergleichen mit viel Geduld im Chat ertragen haben. :knuddel:
Grüße von der aprilnärrin

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Re: #FrauenLesen! -- Ein Stick- und Lese-WIP: What Not. A Prophetic Comedy (Rose Macaulay)

Beitrag von Fyrdraca »

Jetzt melde ich mich als stille Mitleserin, deren Bücherwunschliste dank dir grade rapide wächst, auch mal zu Wort. Ich finde, die Homepage ist dir sehr gut gelungen, wunderbar übersichtlich und ein schönes, nicht überladenes Design. Ich werde mich dann mal in deinen Texten vertiefen, ich mag deinen Schreibstil :)

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Re: #FrauenLesen! -- Ein Stick- und Lese-WIP: What Not. A Prophetic Comedy (Rose Macaulay)

Beitrag von aprilnärrin »

Danke :D

Für das eigentliche Design und den Seitenaufbau habe ich Theme-sei-Dank relativ wenig tun müssen, außer es hier und da anzupassen. Aber leider war genau das Theme dann das Problem gestern, weil es nicht mehr gepflegt wird. Es gibt allerdings einen Nachfolger, der noch aktiv betreut wird... die nächsten Wochen beschäftige ich mich wohl damit, wie ich den zum Laufen kriege, mit den vorgenommenen Anpassungen an den alten.
Meine neue Weisheit für alle: Wenn ihr euch in ein Theme verlüpt, guckt _zuerst_, ob es noch gepflegt wird. Und falls nicht, lasst dann die Lübe gehen. :roll:
Ich weiß, das hätte man alles vorher haben können, aber ich war da ein wenig blind und der Gefährte war wohl auch ein wenig Ehrgeizig, ich habe mehrfach gesagt, dass ich mir auch ein anderes aussuchen könne, wenn es so problematisch ist, aber irgendwie wollte er das nicht, weil ich es ja toll fand. So here we are now. :lol:
Aber es gibt ja eine Lösung und vielleicht habe ich jetzt auch so viel über Static Site Generator gelernt, dass ich ein wenig selbstständiger damit arbeiten kann. :D



Zum Kern des WIPs: Ich schulde euch noch immer meine Stickerei zu Fatou Diome. Da die Seite jetzt für die fertigen Texte ganz wunderbar ist, werde ich das Prozedere hier so umdingsen, dass die Texte mehr als WIP hier eine Rolle spielen. Daher gibt es nachher die Stickerei und meine Skizze für den Text, den ich dann heute und morgen schreibe. Am Freitag soll er dann auf der Seite stehen. (:
Grüße von der aprilnärrin

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#FrauenLesen! -- Ein Stick- und Lese-WIP

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Re: #FrauenLesen! -- Ein Stick- und Lese-WIP: What Not. A Prophetic Comedy (Rose Macaulay)

Beitrag von Zetesa »

So beim drübergucken gefällt es mir gut, hab auch keine Fehler im responsive design auf dem Handy feststellen können -> für mich gut geeignet, um deine Posts in der Mittagspause zu lesen.
Die fertigen Stickereien als Titelbild für die jeweiligen Posts finde ich eine schöne Einbindung des craftings.
Unsere tiefgreifendste Angst ist nicht, dass wir ungenügend sind. Unsere tiefgreifendste Angst ist,
über das Messbare hinaus kraftvoll zu sein.
Es ist unser Licht, nicht unsere Dunkelheit, die uns Angst macht.
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Re: #FrauenLesen! -- Ein Stick- und Lese-WIP: Der Bauch des Ozeans (Fatou Diome)

Beitrag von aprilnärrin »

Ich habe heute nach dem Aufstehen einen Text zu Fatou Diome heruntergeschrieben und noch nicht groß überarbeitet. Ich denke für den finalen Text werden eventuell nochmal Passagen gekürzt, gestrichen und ergänzt/ausgeführt. Aber für ein erstes Runterschreiben, ist er wohl schon ganz gut lesbar. Stichpunkte wollten mir irgendwie nicht gelingen. Mal gucken, wie ich den Text jetzt noch bearbeitet kriege. Aber ich habe ja bis Freitag noch etwas Zeit. Hier also exklusiv für euch meine Rohfassung (:


Zur Stickerei:
Rückstich: geeignet für Konturen, Monogramme, Details
Farben: Hellblau/-grau 168, Blau 597, Dunkelblau 803
Farbverlauf: Erzeugt indem zunächst 4 Fäden der ersten Farbe gestickt wurde, dann ein Stück je 2 Fäden Farbe 1 + Farbe 2, dann 4 Fäden der Farbe 2, anschließend je 2 Fäden der Farben 2 und 3 zusammen, und schließlich 4 Fäden der Farbe 3 am Ende.

Bild

Der Bauch des Ozeans von Fatou Diome

Zeitpunkt als die Handlung einsetzt: Während der Fußballeuropameisterschaft im Sommer 2000. Diese Verknüpfung an ein reales Ereignis, hebt auch die Nähe zwischen der Erzählerin und der Autorin in den Vordergrund, die ausserdem von der Herkunft aus Niodior getragen wird. Aber jeder Leser*in darf natürlich klar sein, dass niemand den Fehler begehen darf, hier eine Gleichsetzung vorzunehmen. *Der Bauch des Ozeans* ist und bleibt eine literarische Aufbereitung, ein ästhetischer Ausdruck. Daher möchte ich auch auf die weiteren Überschneidungspunkte gar nicht näher eingehen.

Die sehr bildliche Sprache von Diome ist wunderschön, die Motive, die sie entwickelt sind sehr stark: Wurzeln, wie die Füße vom Land geformt wurden, das Meer und seine Bedeutung (die auch im Titel zum Tragen kommt), die Äste des Baumes unter dem das Parlament des Dorfes sitzt und wie deren Politik an den Ästen in die Betten des Dorfes reicht, um nur einige wenige hier anzudeuten.

Eine besondere Rolle kommt den Märchen, Legenden und Mythen des Dorfes zu. Dabei sind es nicht nur überlieferte, alte Geschichten, sondern auch neue Geschichten und Legenden, die fortlaufend geknüpft und weiterentwickelt werden. Ein besonderes Beispiel ist hier ein Pärchen, das sich wider den Erwartungen und Traditionen zusammengefunden hat und dafür abgestraft wurde. Sie haben sich in den Ozean geworfen und es heißt, dass sie dort als Familie zusammenfinden konnten, sie streifen als Delfine durch die Gewässer um die Insel und nehmen die bei sich auf, die ihrerseits dem Ozean mit Gewalt überantwortet wurden oder sich selbst in den Bauch des Ozeans geworfen haben, damit er sie aufnimmt, damit sie Frieden finden.

Das zentrale Thema ist natürlich auch der Konstrast zwischen den Lebensrealitäten des Dorfes und der Ausgewanderten in Frankreich. Es werden verschiedene Geschichten von Ausgewanderten erzählt und wie diese genutzt werden um Erwartungen zu schüren und aufrechtzuerhalten, was den Erfolg in Frankreich angeht. Während das Dorf erwartet bei einem Heimatbesuchen reich beschenkt zu werden, sieht das Leben in Frankreich eben nicht so aus, dass sich die Erzählerin das leisten könnte. Die Erwartungen an die Art Leben die sie führt, sind durch viele überzeichnete Erzählungen anderere Heimkehrer geprägt, die jedoch oft unterschlagen, dass es ihnen in Frankreich schlecht erging und sie oftmals auch durch erzwungene Kriminalität (allein durch einen illegalen Aufenthaltsstatus). Das erhält einen gewissen Mythos aufrecht von den großen Erwartungen, die das gesamte Dorf (nicht nur die eigene Familie) an einen stellt, wenn man in das reiche Land geht, in dem man natürlich (das zeigt ja auch das Fernsehen) ein schönes westliches Leben führt. Nicht berichtet wird von den Ausgrenzungen, den Schikanen, die man erfährt; von der ersten Minute an in der man (selbst mit Visum) das aus der Heimat bewunderte Land betritt.

In dem Sinne geht es eben auch um die Folgen der Kolonialisierung, denn die Erzählerin beschreibt ihr Dorf und ihre Insel als stark fixiert auf Frankreich, weil natürlich die Franzosen auch ihren Lebensstandard in Afrika dargestellt haben. (Franzosen die krank oder alt wurden, mussten in ihre Heimat zurück, auch so erhielt sich ein steter Eindruck von einem paradiesischen Land, in dem es keine Krankheiten und kein Alter gibt.) Was dabei keine Rolle spielt, ist, dass der Reichtum, den man aus Frankreich mitbringt, nur unter den senegalesischen Verhältnissen Reichtum ist. Dass das Leben in Frankreich unter ganz anderen Vorzeichen steht, wird nicht erkannt, weswegen die Erwartungen an die Ausgewanderten hoch bleiben.

Die Erzählerin selbst steht auf ganz viele Arten zwischen den Stühlen, wird aus ganz verschiedenen Richtungen Erwartungen ausgesetzt und auch ausgegrenzt, weil sie diese nie erfüllen kann. Ihr Trauma beginnt mit ihrer unerwünschten Geburt, ihrem unerwünschten Status in der Dorfgemeinschaft als ein uneheliches Kind, das einer Verbindung entspringt, die nicht geduldet war. Bereits hier wird aber auch ihre Stärke deutlich, da sie, wie sie es selbst beschreibt, im Moment ihrer Geburt sofort Wurzeln geschlagen hat, als sie unerwünscht auf den Boden ihrer Heimat abgelegt wurde. Und diese Wurzeln helfen ihr und lassen sie leiden zugleich. Sie machen sie stark, weil sie überlebt, auch folgende traumatische Erlebnisse, aber sie machen sie verletzlich, weil sie sich von dieser Heimat eben nicht lossagen kann, weil sie immer auf sie zurückgeworfen wird, im positiven und im negativen Sinn. Dabei erfährt sie Ausgrenzung sowohl in ihrer Heimat, als auch dem Land, in dem sie lebt.
Dieser Konflikt ist stark und bedrückend, weil Fatou Diome es auf verstörende Weise gelingt ihn greifbar zu machen mit der Vezweiflung ihrer Erzählerin, der sie so bildstark Ausdruck verleiht. Wobei sich die Verzweiflung weniger auf sich selbst richtet, sodern auf ihren Bruder, dem sie gerne vieles ersparen möchte, für den sie vieles in Kauf nimmt und dem sie ein bestmögliches Leben wünscht. Er sieht allerdings seine einzige Chance darin, Profifußballer zu werden und nach Frankreich zu gehen, um sein Glück zu versuchen, um in einen französischen Verein aufgenommen zu werden. Er repräsentiert mit dieser Sehnsucht, diesem einen einzig möglichen Ausweg für ihn, das ganze Dorf, die gesamte Jugend des Dorfes, die bereit sind alles zu opfern und auf diese eine Karte zu setzen, wissend, dass es anderen oft schlecht ergangen ist. Das wollen die Jungs des Dorfes aber nicht hören, sie möchten an diese eine Chance glauben.

Neben den vielen Konflikten, die eine Rolle spielen, ist es auch immer wieder die Rolle der Frau in der Gesellschaft von Niodior, die in den Blick genommen wird. Mit allen Facetten von Unterdrückung und Machtausübung. Allein hierüber wäre unzähliges zu sagen. Der Wert der Frau bemisst sich an den Kindern, die sie zur Welt bringt und an der familiären Herkunft. Das Frauenbild wird schonungslos dargestellt. Es setzt sich aus Tradition und Religion zusammen. Und es wird auch gezeigt, was passiert, wenn man versucht aus diesen Bahnen auszubrechen.

Bei allem, was an der dargstellten Gesellschaft kritikwürdig ist, gibt es aber einen Punkt – und zwar keinen unerheblichen – der auch die Stärke der Dorfgemeinschaft unterstreicht: der Zusammenhalt als Gemeinschaft.


Fatou Diome: Der Bauch des Ozeans. Roman. 273 Seiten. Aus dem Französischen von Brigitte Große. Erschienen 2006 [2004] bei Diogenes in Zürich. ISBN: 9783257235210.

Bild
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Re: #FrauenLesen! -- Ein Stick- und Lese-WIP: Der Bauch des Ozeans (Fatou Diome)

Beitrag von Ghastly Bespoke »

Der Farbverlauf in der Stickerei ist ja schön geworden. Ich hätte jetzt gedacht, dass das ein Farbverlaufsgarn ist. :D
Der Mensch an sich ist ein einfacher Haufen Gefühl, der bedient werden will.

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Re: #FrauenLesen! -- Ein Stick- und Lese-WIP: Der Bauch des Ozeans (Fatou Diome)

Beitrag von Die Rote IRis »

Der Blog ist toll geworden, wert ich definitiv abonnieren!

Und ich bin auch ganz begeistert von dem Farbverlauf, der ist super geworden. Muss ich mir merken!
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Re: #FrauenLesen! -- Ein Stick- und Lese-WIP: Der Bauch des Ozeans (Fatou Diome)

Beitrag von aprilnärrin »

Danke euch (:

Ja, das mit dem Farbverlauf hat mich auch sehr gefreut, dass der wirklich so gut rauskommt. Ich habe mich da einfach von den Bobbeln mit gefachtem Garn und Farbverlauf inspirieren lassen, die ich hier gerade verhäkel. Dachte mir, das muss im kleinen ja auch klappen (:


Der Text zum Bauch des Ozeans ist fast fertig. Natürlich habe ich es gestern nicht mehr geschafft. Aber dafür habe ich immerhin einige Stunden an meiner Dissertation gearbeitet. Da muss dann auch das Hobby mal anstehen. Ich muss ihn nachher dann nur noch einmal korrekturlesen und dann mal schauen, wann ich ihn eingesprochen bekomme.
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Re: #FrauenLesen! -- Ein Stick- und Lese-WIP: Der Bauch des Ozeans (Fatou Diome)

Beitrag von aprilnärrin »

Ich präsentiere: fertiger Blogbeitrag mit Text und Hörfassung (:

Der Bauch des Ozeans
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Re: #FrauenLesen! -- Ein Stick- und Lese-WIP: Power (Verena Güntner)

Beitrag von aprilnärrin »

Was ich aktuell lese und welcher Name als nächstes gestickt wird.

Power von Verena Güntner war in diesem Jahr für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Ich könnte hier mit einigen der besten Bullshitbingoworten aus Rezensionen um mich werfen: "Millieustudie", "starker Roman", "auf verstörende Weise", "Welten prallen aufeinander", etc. Und während all das sogar stimmt, ist es doch so langweilig nicht. Es ist... ein wenig magisch. Aber nicht die Art von Zaubermagie, sondern die Art von Kindermagie, die man vermisst, wenn man zu erwachsen geworden ist, um selbst noch intensiv daran zu glauben. Manchmal erwischt es einen vielleicht noch und ein wenig gruselt und freut es einen dann: Magisches Denken. Ich fühle mich in solchen Büchern immer gleich heimisch.

Was Power angeht: Ich finde, dass es ein tottrauriges Buch ist. Ich könnte seitenweise weinen, wenn ich nicht doch in der Lage wäre einen kleinen Schritt zurückzutreten und sichere Distanz einzunehmen. Und wenn dieses Buch nicht auch seine lustigen, seine absurden Momente hätte.

Erzählanlass: Power ist verschunden. Power ist der Hund der Hitschke, einer alten Frau, die im Dorf ausgegrenzt wird, seit ihr Mann vor einigen Jahren spurlos verschwunden ist. Ihr ganzes Leben konzentriert sich seitdem auf den Rhythmus, den der Hund ihr vorgibt. Zuvor war es der Rhythmus ihres Mannes - sie hatte wohl nie einen eigenen, bis auf wenige Momente. Ein Kind namens Kerze, diesen Namen hat sie sich selbst gegeben, verspricht den Hund zu finden. Sie weiß, dass sie das tun wird, denn sie hat es versprochen. Ihr systematisches Wesen und ihr Drang die Welt um sich herum in Ordnung zu halten, bringen sie weit voran in ihren Ermittlungen, aber alles bringt sie nicht zu Power. Der kleine schwarz-weiße Hund bleibt verschwunden. Allerdings ist das, wie man schon nach den ersten 3 Seiten weiß, nicht wichtig, denn im Prolog wird verraten, dass Power gefunden wird - tot.

Die Frage ist daher nicht, wie Power zurückkommt. Die Frage ist, worum es wirklich geht. Und so rollen sich in den folgenden Kapiteln die Geschichten der Menschen dieser Dorfgemeinschaft aus. Wir, die Leser*innen, lernen Teile der Vergangenheit kennen und die Figuren über ihr Handeln im Jetzt. Die Kinder spalten sich immer mehr von der Welt der Erwachsenen ab. Angeführt von Kerze gehen sie alle auf die Suche und folgen schließlich bedingungslos. Die Eltern werden, je bestimmter die Kinder ihr Ziel verfolgen, immer hilfloser. Für die Kinder gibt es ein Ziel, auf das sie zusteuern. Und die Eltern bleiben gebrochen zurück, weil sie nicht out of the box denken können, weil ihre Routinen und ihre Strukturen plötzlich nicht mehr funktionieren. Und weil ihre Kinder nicht schuldig sein können, brauchen sie andere Schuldige.
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