Was macht man eigentlich so als Mittelaltermensch zwei Tage, bevor man auf ein Event geht? Plant man, wann man wo zu sein hat? Schreibt man eine Packliste? Klingelt man bei den auch anwesenden Freunden durch, ob sie sich auch schon so freuen? Checkt man die Wetterlage? Vielleicht. Aber ganz sicher fängt man zwei Tage vorher an, seine Garderobe im Geiste durchzugehen, die man liebevoll und mottensicher verstaut hat.... Nur um dann von seinem eigenen Kopf überrumpelt zu werden, weil es beim letzten Zeltlager ja einen kleinen Workshop zum Thema Hauben und Schleier und sonstige weibliche Kopfbedeckungen gegeben hat und die liebe Vortragende mich als erstes Beispiel mit den Worten heranzog: "Ja, und die Sevenah, die hat ja eine tolle Gugel an, die aber dann doch einen männlichen Schnitt hat..."
War jetzt nicht böse gemeint, nein. Recht hat sie. Und die Sevenah weiß das, seit sie diese Gugel vor ein paar Jahren mit Ehrgeiz zusammengenäht hat. Aber mal ganz ehrlich: Das Ding bedeckt hervorragend Schultern und Nacken und Hals und da frier ich nun einmal ganz schnell und unangenehm und da ist so einen Männer-Gugel-Kragen einfach total toll und wärmt und so. Naja. Aber da war er, dieser Satz. Und ging nicht mehr aus dem Kopf raus. Und deshalb hatte ich umgehend Wolle und Leinen in der Hand, las noch einmal die Konstruktion von einer sogenannten flämischen Haube nach, schaute ein recht unterhaltsames Video bei Youtube von Morgan Donner zu genau dem Thema und konstruierte drauflos. Nun, ich kam bis zu dem Stand "Ist sowas von noch nicht komplett, aber irgenwie tragbar. So nämlich:

Gut, reicht ja auch erstmal. Aber. Aber! Aber dann kam doch alles anders und Sevenah trug ihre sowas von männliche Gugel und kuschelte sich fröhlich lächelnd hinein. Weil das Wetter doch ziemlich nass war und die Gugel ja auch noch nicht fertig und der Hals so nackig war und überhaupt.
Egal, das Teil hing also an einem Stuhl und schaute traurig. Das sollte sich jetzt ändern. Es gab da noch ein Passformproblem, das noch gelöst werden musste. Oben auf die Schultern gehören noch zusätzliche Keile, damit sich der Kragenteil zumindest dann schön um Hals und Nacken schmiegt, wenn die Gugel mit Knöpfen hochgeschlossen ist (das mit den Knöpfen ist dann Ausbaustufe drei, weil noch nicht vorhanden).
Also lege ich doch mal los. Ist das schwer, in ein quasi fertiges Kleidungsstück einfach so reinzuschneiden und aufzutrennen, was eigentlich Nähte an passender Stelle waren!
Und dann war da noch ein Nähkörbchen, an das sich die schon länger Anwsenden unter uns wahrscheinlich noch erinnern können Es fehlt ihm zwar noch immer irgendeine Möglichkeit, ihn zu tragen, aber jetzt ist der furchtbar unerträgliche rote, verfusselte Filzboden verschwunden. Ich hatte Stoffreste aussortiert und dabei sind mir noch zwei hellgraue Schurwollstücke in die Hände gefallen. Keines davon war groß genug, aber die Naht stört mich jetzt im Inneren überhaupt nicht. Auch nicht, dass sie so dezentral sitzt. Naja, ein bißchen vielleicht, aber anders ging es nicht.

Der Stoff wurde nach vertrauter Manier über ein Stück Pappe gezogen und eingelegt, dort klemmt es sich ganz gut fest und braucht nicht fixiert zu werden. Das ist auch gut so, im Zweifel kann ich dann den Boden noch immer austauschen, wenn er unansehnlich werden sollte. Fehlt nur noch ein Tragegurt, -riemen oder was auch immer.